Dauersitzen erhöht die Sterblichkeit

02.04.2015
Bild: J. Zielinska

„Wie gesund lebt Deutschland?" Dieser Frage gingen die Deutsche Krankenversicherung (DKV) und die Deutsche Sporthochschule Köln nach. Sie ließen dazu mehr als 3.000 Menschen befragen und veröffentlichten die Ergebnisse aktuell im dritten DKV-Report. Er gibt eine differenzierte und wissenschaftlich fundierte Einsicht in das Gesundheitsverhalten der in Deutschland lebenden Bürger: Wie ist ihr Ess- und Bewegungsverhalten? Wie ihr Stresserleben? Wie ihr Umgang mit Alkohol und Zigaretten?

In diesem Jahr erhob der Report in einer speziellen Befragung von 300 Eltern das Medien- und Gesundheitsverhalten ihrer sechs-bis zwölfjährigen Kinder und enthielt erstmals Erkenntnisse zum Sitzen: Ob bei der Arbeit oder in der Freizeit - in Deutschland leben wahre Dauerhocker. Im Durchschnitt sitzen die Bürgerwerktags rund 7,5 Stunden am Tag - am Wochenende sei es eine halbe Stunde weniger. Die meiste Zeit hocken sie dabei im Durchschnitt vor dem Fernseher. Es täte also jedem gut, die Flimmerkiste häufiger auszulassen und sich stattdessen zu bewegen. Denn laut DKV-Report gebe es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer langen Sitzdauer und der Sterblichkeitsrate. Permanentes Sitzen sei ein eigenständiger Risikofaktor, der den Fett- und Blutzuckerstoffwechsel beeinträchtigt. Mit jeder Stunde täglich, die man mehr vor dem Fernseher verbringe, steige die Gesamtsterblichkeit um 11 Prozent, die Sterblichkeit infolge von Herz-Kreislauf Erkrankungen um 18 Prozent. Dies sei unabhängig vom Bewegungsmangel, denn eine Person, die nahezu den ganzen Tag sitze, habe weiterhin ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, auch wenn sie 30 Minuten pro Tag körperlich aktiv sei und somit die Aktivitätsempfehlungen erfülle.

Der zweithäufigste Grund für langes Sitzen sei im Bundesdurchschnitt die berufliche Tätigkeit. Allerdings fänden 33 Prozent der Befragten es gut, am Arbeitsplatz weniger sitzen zu müssen. Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung (ZfG), sieht in Stehmeetings, verstellbaren Schreibtischen und aktiv gestalteten Büropausen Möglichkeiten, die Sitzdauer zu begrenzen.

Das Sitzverhalten der Kinder ähnelt dem der Erwachsenen. Auch sie sitzen werktags am meisten vor dem Fernseher und mit den Hausaufgaben am Schreibtisch. Fast alle schauen täglich fern, nur ein Viertel der Kinder halte sich dabei an die Empfehlung von Experten, maximal nur eine Stunde pro Tag vor dem Bildschirm zu hocken. Am Wochenende glotze fast jedes fünfte Kind sogar länger als drei Stunden in die Röhre. Kein Wunder - wenn laut DKV-Report nahezu drei Viertel der Kinder über eigene elektronische Medien im Kinderzimmer fernsehen und über die Hälfte einen eigenen Internetzugang haben. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kinder quasi im Sitzen großwerden und sich zu wenig bewegen. Nach Ansicht der Eltern habe etwa jedes siebte Kind nicht genügend Zeit, um sich zu bewegen. Zudem seien 70 Prozent der Eltern skeptisch, ob die Ganztagesschulen die Ernährung und Bewegung ihrer Kinder ausreichend fördere. Ob Schule oder Freizeit - Tatsache ist, dass nur 60 Prozent der Sechs- bis Zwölfjährigen die von der WHO empfohlenen Aktivitätsrichtlinien erreichen. Sie sieht 60 Minuten moderate bis intensive körperliche Aktivität pro Tag vor. Der DKV-Report verdeutlicht zudem, dass Eltern im Sinne einer Vorbildfunktion positiven Einfluss auf das Verhalten ihrer Kinder nehmen können: Je mehr sie ihren eigenen Medienkonsum einschränken, umso weniger Zeit verbringen auch ihre Kinder damit. Weiterhin ist es sinnvoll, die Nutzung von Medien wie Fernseher, Computer, Smartphone oder Spielkonsolen durch Regeln wie vorgegebene Fernsehzeiten einzuschränken.